Auf das Einlaufen in den Hafen von Rhodos freue ich mich jedes Mal. Meine Kabine liegt auf der Steuerbordseite und von dort kann ich schon beim Anlegen auf den Großmeisterpalast und die Stadtmauer mit ihren wehrhaften Türmen blicken.
Einst soll am Hafen der “Koloss von Rhodos”, eines der antiken Weltwunder, gestanden haben. Dass die Riesenstatue des Sonnengottes Helios am Hafen errichtet war, zeigen uns zwar alle Kühlschrankmagneten, aber tatsächlich muss sich der Koloss auf einer Anhöhe in der Stadt befunden haben, in der Nähe des heutigen Großmeisterpalasts.

Einst residierte der oberste Würdeträger der Johanniterritter im Großmeisterpalast. Auf den Ritterorden geht auch die mächtige Stadtmauer zurück. Aus Jerusalem waren die Ritter Anfang des 14. Jahrhunderts von den Osmanen vertrieben worden. Jetzt wollten sie sich vor einem erneuten Türkenangriff schützen. Letztendlich nahmen die Osmanen Rhodos aber rund zwei Jahrhunderte später doch ein. Die Johanniter zogen daraufhin weiter nach Malta. Ihr weißes Kreuz auf rotem Grund ziert heute die Handelsflagge von Malta, unter der ja auch die Schiffe von TUI Cruises fahren.
Ein individueller Landgang ist auf den „Blauen Reisen“ leider nicht möglich. Daher schließe ich mich den Ausflügen des Landausflugsteams an. Besonders schön habe ich den Ausflug nach Lindos erlebt. Die ehemalige Inselhauptstadt liegt an der Ostküste, rund 50 km von Rhodos Stadt entfernt. Nach der etwa einstündigen Fahrt tun sich die Häuser der Stadt auf, die am Fuße der Akropolis liegen. Diese weißen kubusförmigen Häuser sind eigentlich typischer für die Kykladeninseln als für die Inseln des Dodekanes, zu denen Rhodos gehört.
In früheren Jahrhunderten machte der geschützte Naturhafen Lindos wohlhabend. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert bauten sich Händler und Kapitäne die reich dekorierten Häuser, die heute als “Kapitänshäuser” bekannt sind. Wer eines der Häuser kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Drei Zimmer, Küche, Bad standen kürzlich für eine halbe Mio Euro zum Verkauf. Es ist kaum vorstellbar, dass Lindos Mitte des 20. Jahrhunderts noch ganz anders aussah. Die Einheimischen hatten sich neue Erwerbsquellen gesucht; viele von ihnen haben die Insel ganz verlassen. Es kamen bald Aussteiger und Künstler, die die Häuser zu einem läppischen, symbolischen Preis kauften.
Wir spazierten durch die engen Gassen, vorbei an zahlreichen Souvenirläden. Hier und da räkelten sich Katzen auf den weißen und schwarzen Kieselsteinen, die zu kunstvollen Mosaiken gesetzt sind. In einem regulären Sommer platzt das Städtchen aus allen Nähten. Kein Wunder, es ist wirklich malerisch.

Über zahlreiche Treppenstufen ging es dann hoch zur Akropolis. Das war in der Hitze und mit der Maske, die auf den Landgängen der Blauen Reisen zu tragen ist, schon anstrengend. Aber oben angekommen wurden wir mit einem wunderbaren Blick über die Stadt und das Meer belohnt.
Geschichtsbegeisterte können sich auf der Akropolis von Lindos noch an den Überresten mehrerer antiker Tempel erfreuen. Einige Steinblöcke waren in vorchristlicher Zeit mit Statuen versehen. Die Statuen sind heute nicht mehr erhalten. Aber “Fußabdrücke” in den Steinen erinnern noch heute an sie.
Nach unserem Spaziergang fuhren wir nach Rhodos-Stadt und schlenderten über die Ritterstraße – entlang der ehemaligen Herbergen der Johanniter – zurück zum Schiff.

Den Ausflug nach Lindos kann ich allen Unternehmungslustigen auf einer “Blauen Reise” unbedingt empfehlen. Man sollte allerdings fit genug sein, die Treppen hoch zur Akropolis von Lindos nehmen zu können. Die Temperaturen liegen hier regelmäßig über 30 Grad und Schatten gibt es auf dem Weg und auf der Akropolis kaum. Aber am nächsten Tag kann man auf dem Seetag in Richtung Piräus/ Athen ja wieder regenerieren.